Impuls #1

Es hat 33 Jahre „gedauert“ ein solches Foto zu posten. Lange habe ich überlegt, was ich dazu schreiben möchte … denn eigentlich ist es „keine große Sache“ – eigentlich etwas Selbstverständliches – aber irgendwie auch nicht.

Auch, wenn unsere Gesellschaft sich weiterentwickelt hat, immer mehr Akzeptanz entsteht, ist es für manche ungewohnt, wenn zwei Männer ein Paar sind. In meiner Heimatstadt habe ich Hemmungen mit meinem Partner Hand in Hand durch die Stadt zu gehen – es ist mir unangenehm von der Seite angeschaut zu werden. Ich erkenne, dass das eine alte Wunde in mir ist, denn sonst wären mir die Blicke egal.

Wenn ich genauer darüber nachdenke, erinnere ich mich, wieviel Angst ich früher hatte, mich und meine Facetten zu zeigen und auszuleben. Immer wieder bedrückt es mich, dass „schwul“ als Schimpfwort missbraucht wird, denn eigentlich steht es für etwas Schönes – die Liebe von Mann zu Mann. Ja, damals hatte ich große Angst es meinen Freunden und meiner Familie zu sagen, aus Angst vor Ablehnung – doch irgendwann habe ich den Schritt geschafft und siehe da – alle stehen hinter mir #blessed

Nach meinem coming out kam ein neuer, spannender Prozess, denn irgendwie sollte es nicht sein, dass ich einen Partner finde. Es wurden viele Theorien von anderen aufgestellt, wie z.B. „Du bist zu wählerisch“, „man traut sich einfach nicht auf dich zu zugehen“, „du siehst zu operiert aus“, „zeig dich doch etwas natürlicher“, „schraub mal deine Ansprüche runter“, „hier auf dem Land findest du sowieso niemanden“ ach … die Liste ist lang – doch ein Grundton war immer der gleiche -> passe dich an …

Natürlich habe ich das das ein oder andere Mal versucht – doch in mir war immer diese Stimme die sagte „bleib dir selbst treu“…. Und das tat ich, so gut es ging. Natürlich hatte ich Zweifel, natürlich bin ich manchmal ein bisschen von meiner Ausrichtung weggekommen, doch plötzlich hat sich ein Weg eröffnet, der noch besser ist, als ich ihn mir je hätte vorstellen können.

… und so erkenne ich, dass es eben nicht doch „nur ein Foto“ für mich ist. Sondern ein Moment der Dankbarkeit – an alle Menschen, die mich auf meinem Weg dahin unterstützt haben. Ein Moment voller Stolz, dass ich mir selbst treu geblieben bin, denn glaub mir – der Gegenwind war stark.

Natürlich erhalten wir aus dem Außen wertvolle Impulse, doch der Kompass für deine Reise hier auf Erden sollte stets deine innere Stimme sein.

Ich weiß nicht, was in 5 Jahren, 5 Monaten, 5 Wochen oder 5 Tagen sein wird – aber ich weiß, dass ich immer mehr nach innen hören und mein Leben so leben möchte, wie es sich für mich richtig anfühlt.

Das große Wunder dabei ist, dass die Menschen, die in dein Leben gehören dich auf deinem Weg begleiten werden – deshalb ist die Angst vor Ablehnung unbegründet.

🅝 🅐 🅜 🅐 🅢 🅣 🅔 ⠀⠀
and do some Yoga 🌿

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